Berlin, 29. April 2013: Psychisch kranke Patienten müssen nach einer Pressemeldung der Bundespsychotherapeutenkammer immer häufiger auf das Kostenerstattungsverfahren zurückgreifen, weil sie keinen Behandlungsplatz bei einemKassen-Psychotherapeuten finden. Von 2003 bis 2012 haben sich die Ausgaben der Krankenkassen für Kostenerstattungen für Psychotherapie verfünffacht, von knapp acht Millionen Euro auf über 41 Millionen Euro. Allein von 2011 auf 2012 sind sie um 25 Prozent gestiegen.

„Ohne die Behandlungsplätze von Psychotherapeuten in Privatpraxen ist oft eine gesicherte Versorgung von psychisch kranken Menschen nicht mehr möglich“, stellt Prof. Dr. Rainer Richter, Präsident der Bundespsychotherapeutenkammer (BPtK) fest. „Die künstliche Ver- knappung der zugelassenen Psychotherapeuten in der gesetzlichen Krankenversicherung bleibt für die Patienten weiterhin ein großes Problem. Die Kassenärztlichen Vereinigungen und Krankenkassen kommen ihrem gesetzlichen Auftrag nicht ausreichend nach, eine recht- zeitige Behandlung in der Regelversorgung sicherzustellen.“

Findet ein gesetzlich krankenversicherter Patient keinen Behandlungsplatz bei einem Kassen- Psychotherapeuten, so kann er bei seiner Krankenkasse die Behandlung durch einen nicht an der Kassenversorgung teilnehmenden, aber ebenso qualifizierten Psychotherapeuten beantragen. Voraussetzung ist, dass es sich um eine „unaufschiebbare Leistung“ handelt. „Psychische Erkrankungen erfordern in der Regel solche unaufschiebbaren Leistungen. Ein Patient sollte nicht länger als drei Wochen auf einen ersten Termin beim niedergelassenen Psychotherapeuten warten müssen“, erklärt BPtK-Präsident Richter.

Diese Anträge auf Kostenerstattung gelten nach Ansicht des Bundesministeriums für Gesundheit (BMG) als genehmigt, wenn sie nicht innerhalb von höchstens fünf Wochen von der Krankenkasse entschieden werden. Dies stellte das BMG in seiner Antwort auf die schriftli-che Frage der Bundestagsabgeordneten Maria Klein-Schmeink klar. Danach gelten die neu geregelten Fristen auf Leistungen (§ 13 Absatz 3a SGB V) auch für die Regelungen der Kostenerstattung (§ 13 Absatz 3 SGB V).

„Der Gesetzgeber hat hier der Praxis einiger Kassen einen Riegel vorgeschoben“, erläutert Richter. „Seit einiger Zeit berichten Versicherte der BPtK immer wieder, dass ihre Kassen Kostenerstattungsanträge einfach liegen lassen. Zukünftig können Krankenkassen die Be- handlung so nicht mehr verzögern.“ Die Frist beträgt drei Wochen und – soweit Gutachten eingeholt werden – fünf Wochen.

In ihrer Antwort stellt die Bundesregierung ebenfalls klar, dass die tatsächlich entstandenen Kosten der Behandlung nach der Gebührenordnung für Psychotherapeuten zu erstatten sind. Der Erstattungsanspruch ist nicht auf die Höhe der Vergütung in der gesetzlichen Krankenversicherung begrenzt.

 

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Berlin, 17. Mai 2013: Die Bundespsychotherapeutenkammer (BPtK) warnt davor, die di- agnostischen Kriterien für psychische Erkrankungen aufzuweichen. Anlässlich der mor- gen erscheinenden Neufassung des Diagnostik-Handbuchs für psychische Störungen DSM-V in den USA, kritisiert BPtK-Präsident Prof. Dr. Rainer Richter, dass darin Trauer nach dem Verlust einer nahestehenden Person bereits nach zwei Wochen als Krankheit eingestuft werden kann. „Wer intensiv trauert, erfüllt zwar häufig formal die Kriterien ei- ner Depression, ist aber nicht krank“, stellt der BPtK-Präsident fest. „Die meisten Trau- ernden verkraften ohne Behandlung den Verlust einer geliebten Person. Der Schmerz von Trauernden kann durchaus Monate oder über ein Jahr dauern und sollte nicht als be- handlungsbedürftig gelten.“

Die „American Psychiatric Association“ (APA) veröffentlicht am 18. Mai 2013 die fünfte Fassung ihres Handbuchs DSM-V („Diagnostic and Statistical Manual of Mental Disorders V“). Das Handbuch wird auch die Neufassung des Klassifikationssystems ICD-10 der Weltgesundheitsorganisation (WHO) beeinflussen. Im Kapitel V des ICD-10 sind die psy- chischen Erkrankungen beschrieben, aufgrund derer ein Mensch in Deutschland von Ärz- ten und Psychotherapeuten als krank diagnostiziert werden kann. „Für die Entwickler des ICD-11 sind die Kritikpunkte am DSM-V sicherlich wichtige Warnsignale“, sagt BPtK- Präsident Richter.

Auch bei ADHS dürften die WHO-Experten nicht den US-Psychiatern folgen. Zukünftig müssen im DSM-V motorische Unruhe und mangelnde Konzentrationsfähigkeit erstmalig vor dem zwölften Lebensjahr aufgetreten sein. Bisher gilt die Regel, dass diese Sympto- me bereits vor dem siebenten Lebensjahr zu beobachten gewesen sein müssen, damit eine ADHS-Diagnose gestellt werden kann. Mit dem Heraufsetzen des Lebensalters er- höht sich die Anzahl der Kinder und Jugendlichen, aber auch der Erwachsenen, die eine ADHS-Diagnose erhalten können, erheblich. „Die ADHS-Kriterien sollten jedoch aus- schließen, dass darunter auch Kinder und Jugendliche erfasst werden, die in erster Linie spezifische schulische oder berufliche Probleme haben“, fordert BPtK-Präsident Richter. In Deutschland erhält knapp jeder fünfte Junge zwischen dem siebten und zwölften Le- bensjahr eine ADHS-Diagnose und circa jeder zehnte Junge bekommt im Laufe der Kind- heit und Jugend mindestens einmal Methylphenidat verordnet. „Angesichts dieser Häu- figkeiten ist auch in Deutschland von einer deutlichen Überdiagnostik und pharmakologi- schen Übertherapie bei ADHS auszugehen“, kritisiert BPtK-Präsident Richter.

Schließlich geraten auch Wutausbrüche von Kindern und Jugendlichen in das erweiterte diagnostische Raster des US-Psychiatrie-Handbuchs. „Die neue Diagnose „Disruptive Mood Dysregulation Disorder“ (DMDD) ist ein hilfloser Versuch, eine US-spezifische Überdiagnostik von bipolaren Störungen bei Kindern in den Griff zu bekommen“, erklärt BPtK-Präsident Richter. „Damit wird allerdings der nächsten Diagnose-Epidemie der Weg gebahnt.“ Grundsätzlich sei die Forschung zu überdurchschnittlich häufigen und starken Wutausbrüchen vor allem bei Jungen viel zu dürftig, um damit eine neue diagnostische Kategorie zu begründen. „Dabei ist das Risiko sehr groß, heftige emotionale Reaktionen von Kindern und Jugendlichen in Reifungskrisen als krank abzustempeln. Insbesondere drohen andere Gründe für wiederholte Temperamentsausbrüche wie ungelöste Konflikte mit Eltern, Lehrern oder Gleichaltrigen aus dem Blick zu geraten.“

Sinnvoll erscheint dagegen die Aufnahme des pathologischen Glückspiels als Verhaltens- sucht in das DSM-V. Bisher war krankhaftes Glücksspiel unter den Impulskontrollstörun- gen eingruppiert. Die Mechanismen dieser psychischen Erkrankung sowie deren Behand- lungsverläufe legen jedoch eine Korrektur dieser Einordnung nahe. Insbesondere die massiven Auswirkungen des Glücksspiels, wie z. B. ruinös hohe Schulden, rechtfertigen es, von einer Verhaltenssucht zu sprechen.

Auch wiederholte Heißhungerattacken (Binge-Eating-Störung) können eine psychische Erkrankung sein. Kritisch erscheint aber, dass die Kriterien für Häufigkeit und Dauer der Essanfälle im DSM-V deutlich abgesenkt wurden. Danach soll eine Person bereits dann krank sein, wenn sie drei Monate lang einmal pro Woche die Kontrolle darüber verliert, wie viel sie isst. Bisher lag das diagnostische Kriterium für diese Essstörung bei mindes- tens zwei Anfällen pro Woche über mindestens sechs Monate. Abgesehen von dieser will- kürlichen Festlegung, für die es keine empirische Evidenz gibt, sollten als zusätzliche Kri- terien außerdem die Gewichtszunahme berücksichtigt bzw. diese Diagnose bei nur leich- tem Übergewicht ausdrücklich ausgeschlossen werden.

 

 

Berufsverband Deutscher Psychologinnen und Psychologen
Pressemitteilung Nr. 5/13
29. April 2013

** Arbeit darf gesund sein **
* BDP-Kampagne „Gesunde Arbeit“ mit Broschüren zu Burnout und Führung *

Der Berufsverband Deutscher Psychologinnen und Psychologinnen (BDP) 
fordert, dass Führungskräfte das Know-how von Psychologen stärker abrufen 
sollten. Angesichts des demografischen Wandels und des Kampfes um 
Fachkräfte, müssen sie sich für die Zukunft gut aufstellen. „Besonders 
Führungskräfte können mit ihrem Verhalten das Teamklima und so auch die 
Mitarbeiter positiv beeinflussen. Jedoch schöpfen viele die Potenziale der 
Führung nicht richtig aus“, betonte BDP-Präsidentin Sabine Siegl am Rande 
der halbjährlichen Verbandskonferenz. „Wer sich wohl fühlt, engagiert sich 
auf Dauer. Es geht nicht nur darum, die besten Fachkräfte zu rekrutieren, 
sondern sie auch zu halten und zu motivieren.“

Das Thema „gesunde Führung“ wird in vielen Betrieben noch stiefmütterlich 
behandelt. Dabei beweisen Zahlen, dass Führungskräfte bei einem 
Abteilungswechsel ihren Krankenstand „mitnehmen“. Des Weiteren ist auch 
belegt, dass Kränkungen krank machen können.

Insbesondere beobachten Psychologen, dass bei bereits erkrankten 
Mitarbeitern die Rückkehr ins Berufsleben nicht immer gelinge. Auch bei der 
Einbindung und bei der Chancengleichheit für ältere Arbeitnehmer sehen die 
Psychologen noch Potenzial. Dafür können Führungskräfte mit speziellen 
Trainings oder psychologischem Coaching gut vorbereitet werden. Es gilt, 
die wertvollen Mitarbeiter motiviert und gesund in die Zukunft zu führen.

Der BDP verstärkt in diesem Jahr sein Engagement für das betriebliche 
Gesundheitsmanagement. In seiner Kampagne „Gesunde Arbeit“ erscheint heute 
die zweite Broschüre der Reihe „Führung und Gesundheit“. Bereits erschienen 
ist eine zum Thema „Burnout“. Beide Broschüren stehen kostenfrei unter 
www.bdp-verband.de/gesunde-arbeit zum Download bereit. Elf weitere sind 
noch geplant, die auf derselben Webseite abonniert werden können.

Link zur aktuellen Broschüre „Führung und Gesundheit“
www.bdp-verband.de/bdp/archiv/gesunde-arbeit/BDP-Broschuere-02-Fuehrung-und-
Gesundheit.pdf

Diese Pressemitteilung steht auch als PDF zur Verfügung:
www.bdp-verband.de/bdp/presse/2013/05_BDP_Pressemitteilung.pdf

Über den Berufsverband Deutscher Psychologinnen und Psychologen e.V. (BDP):
Der Berufsverband Deutscher Psychologinnen und Psychologen e.V. (BDP) 
vertritt die beruflichen und politischen Interessen der niedergelassenen, 
angestellten und beamteten Psychologen und Psychologinnen aus allen 
Tätigkeitsbereichen. Diese sind unter anderem: Gesundheitspsychologie, 
Klinische Psychologie, Psychotherapie, Schulpsychologie, Rechtspsychologie, 
Verkehrspsychologie, Wirtschaftspsychologie, Umweltpsychologie und 
Politische Psychologie. Der BDP wurde 1946 gegründet und ist 
Ansprechpartner und Informant für Politik, Medien und Öffentlichkeit. Rund 
11500 Mitglieder sind im BDP organisiert.
Besuchen Sie den BDP im Internet:
www.bdp-verband.de

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Pressemitteilung der  Bundespsychotherapeutenkammer:
Psychische Krankheiten sind alltäglich

Berlin, 12. April 2013: Psychische Krankheiten gehören zu den Volkskrankheiten des 21. Jahrhunderts. In Deutschland erkrankt mehr als jeder Vierte innerhalb eines Jahres an einem seelischen Leiden. Evidenzbasierte Leitlinien empfehlen bei nahezu allen psychischen Erkrankungen Psychotherapie als wirksame und kosteneffektive Behandlungsmethode. Da- bei geben die Leitlinien in vielen Fällen der Psychotherapie den Vorzug vor Psychopharmaka. Obwohl auch die meisten Patienten Psychotherapie einer medikamentösen Behandlung vor- ziehen, wird Psychotherapie in der Versorgung noch zu selten genutzt. Ein wesentlicher Grund hierfür sind die unzureichenden Behandlungskapazitäten in der ambulanten psycho- therapeutischen Versorgung. Stattdessen werden zu häufig Psychopharmaka verordnet. „Bundesweit fehlen auch nach der jüngsten Reform der Bedarfsplanung noch mindestens 3.000 psychotherapeutische Praxen. Darüber hinaus müssen dringend die Möglichkeiten der psychotherapeutischen Akutversorgung verbessert und gruppenpsychotherapeutische Be- handlungsangebote ausgebaut werden“, stellt Prof. Dr. Rainer Richter, Präsident der Bun- despsychotherapeutenkammer (BPtK), anlässlich der Herausgabe des BPtK-Standpunkts „10 Tatsachen zur Psychotherapie“ fest.

Psychotherapie ist wirksam. Dieser Nachweis wurde bei nahezu allen psychischen Erkran- kungen in vielen randomisierten und kontrollierten Studien erbracht. Die Erfolgs- und Besse- rungsraten psychotherapeutischer Behandlungen liegen dabei höher als die vieler Behand- lungsmethoden bei körperlichen Erkrankungen. Patienten brechen außerdem eine psycho- therapeutische Behandlung deutlich seltener ab als eine medikamentöse. Ferner hat eine psychotherapeutische Versorgung im Vergleich zur Pharmakotherapie nachhaltigere Effekte, die über das Therapieende hinaus anhalten.

Die Akzeptanz der Psychotherapie hat in der Bevölkerung deutlich zugenommen. Aber psy- chisch kranke Menschen werden nach wie vor stigmatisiert. Die soziale Ablehnung von de- pressiven Menschen ist seit Jahrzehnten nahezu unverändert. Schizophren erkrankte Men- schen werden im Vergleich zu früheren Jahrzehnten sogar noch stärker als „gefährlich“ stig- matisiert.

Patienten nehmen eine ambulante psychotherapeutische Behandlung in Anspruch, weil sie unter gravierenden psychischen Beschwerden und Beeinträchtigungen leiden. Darüber hin- aus leiden psychisch kranke Menschen deutlich häufiger an körperlichen Erkrankungen als die Normalbevölkerung.

Psychisch kranke Menschen erhalten zu spät oder gar keine Behandlung. Sie warten in Deutschland durchschnittlich 12,5 Wochen auf ein erstes Gespräch beim niedergelassenen Psychotherapeuten. Noch länger sind die Wartezeiten in ländlichen Kreisen (14,5 Wochen) und im Ruhrgebiet (17,0 Wochen). Durch die langen Wartezeiten verschlimmern sich psychi- sche Erkrankungen, chronifizieren oder kehren wieder. Manchmal geben Patienten die Suche auf und bleiben ohne Behandlung, viele Patienten werden einseitig medikamentös versorgt. Immer mehr gesetzlich Versicherte nutzen die Kostenerstattung und suchen eine private psy- chotherapeutische Praxis auf. In dringenden Fällen wenden sich psychisch kranke Menschen an psychiatrische und psychosomatische Krankenhäuser.

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Psychotherapie spart mehr Ausgaben, als sie selbst verursacht. Die Ausgaben für ambulante Psychotherapie betrugen 2010 1,5 Milliarden Euro. Das entspricht einem Anteil von sechs Prozent an den gesamten Honorarausgaben der gesetzlichen Krankenkassen für die ver- tragsärztliche Versorgung. Diese geben damit mehr für Krankengeld aufgrund psychischer Erkrankungen (zwei Milliarden Euro) aus als für ambulante Psychotherapie. Die Ausgaben für Psychopharmaka lagen 2010 mit 2,6 Milliarden Euro (8,7 Prozent aller GKV-Fertigarzneimit- telausgaben) ebenfalls deutlich über den Ausgaben für ambulante Psychotherapie. Ebenso darüber lagen die Kosten stationärer Behandlungen für psychisch kranke Menschen, die auf 4,6 Milliarden Euro geschätzt werden.

Aufgrund psychischer Erkrankungen entstehen erhebliche Kosten, insbesondere durch Ar- beitsunfähigkeit und Frühberentungen. Die Bundesregierung schätzt, dass im Jahr 2008 ein Produktionsausfall von 26 Milliarden Euro und ein Ausfall an Bruttowertschöpfung von 45 Milliarden Euro und 18 Prozent aller verlorenen Erwerbsjahre auf psychische Erkrankun- gen zurückgingen. Damit stehen die psychischen Erkrankungen nach den Verletzungen und Vergiftungen bereits an zweiter Stelle der Ursachen für verlorene Erwerbsjahre. Für jeden Euro, der in Psychotherapie investiert wird, können Einsparungen von zwei bis drei Euro er- reicht werden.

Psychotherapeuten behandeln so lange wie notwendig. Etwa die Hälfte der ambulanten Psy- chotherapien sind Kurzzeittherapien von bis zu 25 Sitzungen je 50 Minuten. Zwischen zwei Drittel und drei Viertel der genehmigten Stundenkontingente werden von den Psychothera- peuten ausgeschöpft. Durchschnittlich 40 bis 45 Sitzungen werden dabei auf zwei Jahre ver- teilt. In vielen Fällen verbessern sich die Krankheitssymptome bereits mit einer Kurzzeitthe- rapie deutlich. Komplexe Formen psychischer Erkrankungen oder chronische psychische Er- krankungen erfordern jedoch in der Regel längere Therapien. Beispielsweise sind bei der Behandlung von Borderline-Persönlichkeitsstörungen längere Behandlungen notwendig, als die Krankenkassen im Regelfall bezahlen. Internationale Leitlinien empfehlen hier ausdrück- lich, keine Behandlungen mit kürzerer Dauer anzubieten.

Psychotherapeuten erfüllen ihre Versorgungsaufträge, so gut es ihnen angesichts der engen Vorgaben der Krankenkassen möglich ist. Niedergelassene Psychotherapeuten arbeiten durchschnittlich 36 bis 43 Stunden in der Woche, die Kassenärztliche Bundesvereinigung geht sogar von durchschnittlich 47 Wochenstunden aus (Arbeitszeit). Davon erbringen sie 25 bis 31 Stunden in direktem Kontakt mit ihren Patienten (Patientenzeit). Mindestens ein Drit- tel der Arbeitszeit ist für weitere Aufgaben und Verpflichtungen, wie Dokumentation, Anträge, Abrechnungen und Praxismanagement, erforderlich.

Psychotherapie ist ein attraktives Berufsfeld. Jährlich schließen mehr Psychotherapeuten ihre Ausbildung ab, als ältere Psychotherapeuten in Ruhestand gehen. Frei werdende Praxissitze können auch in ländlichen Regionen innerhalb kurzer Zeit besetzt werden.

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Am Donnertag 14.3.2013 veranstaltet der Loccumer Kreis eine Vortragsveranstaltung:

„DIe Schuldfrage in der Psychotherapie“
Befreiung als Fremdbeschuldigung und Selbstmitleid

Univ.-Doz. Dr. med. Dr. scient. Raphael M. Bonelli, Forschungsgruppe Neuropsychiatrie,

Sigmund Freud PrivatUniversität Wien

Die Veranstaltungen des Loccumer Kreises finden im Gemeindehaus der St.-Willehadi-Kirchengemeinde, Am Kirchenplatz 3, Osterholz-Scharmbeck, statt.  Sie beginnen um 20.15 Uhr und enden gegen 22.00 Uhr. Nach den Vorträgen ist Gelegenheit zur Aussprache. 

Seit der Entstehung von Psychologie und Psychotherapie als Wissenschaft gibt

es ihr gegenüber Berührungsängste seitens der Theologie. Erst in jüngster Zeit

zeigen sich Tendenzen, aufeinander zuzugehen, Gemeinsamkeiten zu suchen

und auch nutzbar zu machen. Einer der Wegbereiter dazu ist unser Referent, der

weltweit als Psychiater und Neurologe agiert. Sein Thema bei uns berührt eine

Nahtstelle von Religion und Medizin bzw. Psychologie, nämlich wie wir – im

Kleinen wie im Großen – mit Schuld und Versagen umgehen können.

Vorankündigung in der Zeitung: 

 

BDP-Pressemitteilung

vom 21.12.2012 (at)

 

 

Quelle: Berufsverband Deutscher

Psychologinnen
und Psychologen
Am Köllnischen Park 2 10179 Berlin

Telefon +4930-209166-620 Telefax +4930-209166-680

E-Mail presse@bdp-verband.de

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Der Berufsverband Deutscher Psychologinnen und Psychologen kritisiert die gerade verabschiedete Bedarfsplanungsrichtlinie des Gemeinsamen Bundesausschusses (G-BA). „Mit dieser Regelung werden psychisch Kranke allein gelassen“, bringt BDP-Vizepräsident Heinrich Bertram die Konsequenzen auf den Punkt und fordert das Bundesgesundheitsministerium auf, dagegen Einspruch anzumelden. „Es kann nicht sein, dass von der Kassenärztlichen Vereinigungen im Oktober mehr Psychotherapeutensitze versprochen wird, andererseits nun aber 6000 Sitze wegfallen sollen. Ich fordere die Politik auf, hier einzugreifen.“

Der BDP kritisiert seit langem, dass die Bedarfsplanungsrichtlinie auf alten Zahlen von 1999 und nicht auf den tatsächlichen Behandlerzahlen beruht. Selbst der Status Quo 2012 ist nicht ausreichend. Die Auswirkung spüren vor allem die Patienten. Heute wartet ein Patient in einer ländlichen Region durchschnittlich bereits 14,5 Wochen auf ein erstes Gespräch mit einem niedergelassenen Psychotherapeuten. Die Zahl in Ballungsgebieten beträgt 12,5 Wochen und würde mit der neuen Richtlinie wohl dieselbe wie auf dem Lande werden.

Aufgrund der erwiesenen Wirksamkeit von Psychotherapie und der großen Bedeutung psychischer Erkrankungen – ökonomisch und für die Lebensqualität – ist eine Verbesserung der Versorgungsplanung dringend notwendig.

Der BDP-Bericht 2012 „Die großen Volkskrankheiten“ steht kostenlos zum Download zur Verfügung:

http://www.bdp-verband.de/aktuell/2012/bericht/ 

Quelle: Presse-Information Nr. 50 /21.11.2012 der DGPPN

Burn-out: genau diagnostizieren

Das Thema Burn-out beschäftigt viele. Jüngst wurde bei einer Untersuchung des RKI festgestellt, dass Menschen, die häufig Stress erleben, deutlich mehr über psychische Beschwerden wie depressive Symptome, gestörten Schlaf oder Erschöpfung berichten.

In der Gruppe der 40-60-Jährigen litten zwischen 5-8 Prozent im Laufe ihres Lebens an einem Burnout-Zustand. Interessanterweise sind die Betroffenen im Gegensatz zu der verbreiteten psychischen Störung Depression vor allem Menschen mit hohem Sozialstatus.

„Burnout ist für sich genommen keine Krankheit aber ein Risikozustand für die psychische und physische Gesundheit und muss deshalb sehr ernst genommen und untersucht werden.“ so Professor Wolfgang Maier der zukünftige Präsident der Deutschen Gesellschaft für Psychiatrie, Psychotherapie und Nervenheilkunde (DGPPN).“

Länger anhaltende Erschöpfungszustände erhöhen jedoch das Risiko, an einer Depression, Angst- oder Suchtstörung, Tinnitus oder Bluthochdruck zu erkranken. Burnout-ähnliche Beschwerden wie verminderte Leistungsfähigkeit können aber auch andere Erkrankungen verdecken. Krankheitssymptome gilt es daher diagnostisch genau abzuklären, um rasch die richtige Therapie und Behandlung der Grunderkrankung zu gewährleisten. So kann Chronifizierung vorgebeugt und den Betroffenen zeitnah die Rückkehr an den Arbeitsplatz ermöglicht werden.“

Nach Ansicht der DGPPN handelt es sich beim Burn-out primär um ein Problem der Arbeitswelt. Die Beratung und Unterstützung der Betroffenen sollte deshalb beim Arbeitgeber entsprechend koordiniert werden. Dies kann die Diagnostik bei einem Facharzt einschließen. Aus Sicht der Fachgesellschaft ist es jedoch zu kurzsichtig, einen stressbelasteten Arbeitnehmer in der Arztpraxis so zu „behandeln“, das widrige Arbeitsbedingungen eine weitere Zeit zu ertragen werden ohne die Ursachen zu beseitigen. Eine Schlüsselrolle kommt dabei den Betriebsärzten mit ihrer Kenntnis der Arbeitsstrukturen und Betriebsabläufe zu.

Mehr Informationen im Positionspapier „Burnout“ auf der Webseite der DGPPN: http://www.dgppn.de