page1image1144 page1image1304 page1image1464 page1image1624

Pressemitteilung der  Bundespsychotherapeutenkammer:
Psychische Krankheiten sind alltäglich

Berlin, 12. April 2013: Psychische Krankheiten gehören zu den Volkskrankheiten des 21. Jahrhunderts. In Deutschland erkrankt mehr als jeder Vierte innerhalb eines Jahres an einem seelischen Leiden. Evidenzbasierte Leitlinien empfehlen bei nahezu allen psychischen Erkrankungen Psychotherapie als wirksame und kosteneffektive Behandlungsmethode. Da- bei geben die Leitlinien in vielen Fällen der Psychotherapie den Vorzug vor Psychopharmaka. Obwohl auch die meisten Patienten Psychotherapie einer medikamentösen Behandlung vor- ziehen, wird Psychotherapie in der Versorgung noch zu selten genutzt. Ein wesentlicher Grund hierfür sind die unzureichenden Behandlungskapazitäten in der ambulanten psycho- therapeutischen Versorgung. Stattdessen werden zu häufig Psychopharmaka verordnet. „Bundesweit fehlen auch nach der jüngsten Reform der Bedarfsplanung noch mindestens 3.000 psychotherapeutische Praxen. Darüber hinaus müssen dringend die Möglichkeiten der psychotherapeutischen Akutversorgung verbessert und gruppenpsychotherapeutische Be- handlungsangebote ausgebaut werden“, stellt Prof. Dr. Rainer Richter, Präsident der Bun- despsychotherapeutenkammer (BPtK), anlässlich der Herausgabe des BPtK-Standpunkts „10 Tatsachen zur Psychotherapie“ fest.

Psychotherapie ist wirksam. Dieser Nachweis wurde bei nahezu allen psychischen Erkran- kungen in vielen randomisierten und kontrollierten Studien erbracht. Die Erfolgs- und Besse- rungsraten psychotherapeutischer Behandlungen liegen dabei höher als die vieler Behand- lungsmethoden bei körperlichen Erkrankungen. Patienten brechen außerdem eine psycho- therapeutische Behandlung deutlich seltener ab als eine medikamentöse. Ferner hat eine psychotherapeutische Versorgung im Vergleich zur Pharmakotherapie nachhaltigere Effekte, die über das Therapieende hinaus anhalten.

Die Akzeptanz der Psychotherapie hat in der Bevölkerung deutlich zugenommen. Aber psy- chisch kranke Menschen werden nach wie vor stigmatisiert. Die soziale Ablehnung von de- pressiven Menschen ist seit Jahrzehnten nahezu unverändert. Schizophren erkrankte Men- schen werden im Vergleich zu früheren Jahrzehnten sogar noch stärker als „gefährlich“ stig- matisiert.

Patienten nehmen eine ambulante psychotherapeutische Behandlung in Anspruch, weil sie unter gravierenden psychischen Beschwerden und Beeinträchtigungen leiden. Darüber hin- aus leiden psychisch kranke Menschen deutlich häufiger an körperlichen Erkrankungen als die Normalbevölkerung.

Psychisch kranke Menschen erhalten zu spät oder gar keine Behandlung. Sie warten in Deutschland durchschnittlich 12,5 Wochen auf ein erstes Gespräch beim niedergelassenen Psychotherapeuten. Noch länger sind die Wartezeiten in ländlichen Kreisen (14,5 Wochen) und im Ruhrgebiet (17,0 Wochen). Durch die langen Wartezeiten verschlimmern sich psychi- sche Erkrankungen, chronifizieren oder kehren wieder. Manchmal geben Patienten die Suche auf und bleiben ohne Behandlung, viele Patienten werden einseitig medikamentös versorgt. Immer mehr gesetzlich Versicherte nutzen die Kostenerstattung und suchen eine private psy- chotherapeutische Praxis auf. In dringenden Fällen wenden sich psychisch kranke Menschen an psychiatrische und psychosomatische Krankenhäuser.

page1image24288 page1image24448 page1image24608 page1image24768

Psychotherapie spart mehr Ausgaben, als sie selbst verursacht. Die Ausgaben für ambulante Psychotherapie betrugen 2010 1,5 Milliarden Euro. Das entspricht einem Anteil von sechs Prozent an den gesamten Honorarausgaben der gesetzlichen Krankenkassen für die ver- tragsärztliche Versorgung. Diese geben damit mehr für Krankengeld aufgrund psychischer Erkrankungen (zwei Milliarden Euro) aus als für ambulante Psychotherapie. Die Ausgaben für Psychopharmaka lagen 2010 mit 2,6 Milliarden Euro (8,7 Prozent aller GKV-Fertigarzneimit- telausgaben) ebenfalls deutlich über den Ausgaben für ambulante Psychotherapie. Ebenso darüber lagen die Kosten stationärer Behandlungen für psychisch kranke Menschen, die auf 4,6 Milliarden Euro geschätzt werden.

Aufgrund psychischer Erkrankungen entstehen erhebliche Kosten, insbesondere durch Ar- beitsunfähigkeit und Frühberentungen. Die Bundesregierung schätzt, dass im Jahr 2008 ein Produktionsausfall von 26 Milliarden Euro und ein Ausfall an Bruttowertschöpfung von 45 Milliarden Euro und 18 Prozent aller verlorenen Erwerbsjahre auf psychische Erkrankun- gen zurückgingen. Damit stehen die psychischen Erkrankungen nach den Verletzungen und Vergiftungen bereits an zweiter Stelle der Ursachen für verlorene Erwerbsjahre. Für jeden Euro, der in Psychotherapie investiert wird, können Einsparungen von zwei bis drei Euro er- reicht werden.

Psychotherapeuten behandeln so lange wie notwendig. Etwa die Hälfte der ambulanten Psy- chotherapien sind Kurzzeittherapien von bis zu 25 Sitzungen je 50 Minuten. Zwischen zwei Drittel und drei Viertel der genehmigten Stundenkontingente werden von den Psychothera- peuten ausgeschöpft. Durchschnittlich 40 bis 45 Sitzungen werden dabei auf zwei Jahre ver- teilt. In vielen Fällen verbessern sich die Krankheitssymptome bereits mit einer Kurzzeitthe- rapie deutlich. Komplexe Formen psychischer Erkrankungen oder chronische psychische Er- krankungen erfordern jedoch in der Regel längere Therapien. Beispielsweise sind bei der Behandlung von Borderline-Persönlichkeitsstörungen längere Behandlungen notwendig, als die Krankenkassen im Regelfall bezahlen. Internationale Leitlinien empfehlen hier ausdrück- lich, keine Behandlungen mit kürzerer Dauer anzubieten.

Psychotherapeuten erfüllen ihre Versorgungsaufträge, so gut es ihnen angesichts der engen Vorgaben der Krankenkassen möglich ist. Niedergelassene Psychotherapeuten arbeiten durchschnittlich 36 bis 43 Stunden in der Woche, die Kassenärztliche Bundesvereinigung geht sogar von durchschnittlich 47 Wochenstunden aus (Arbeitszeit). Davon erbringen sie 25 bis 31 Stunden in direktem Kontakt mit ihren Patienten (Patientenzeit). Mindestens ein Drit- tel der Arbeitszeit ist für weitere Aufgaben und Verpflichtungen, wie Dokumentation, Anträge, Abrechnungen und Praxismanagement, erforderlich.

Psychotherapie ist ein attraktives Berufsfeld. Jährlich schließen mehr Psychotherapeuten ihre Ausbildung ab, als ältere Psychotherapeuten in Ruhestand gehen. Frei werdende Praxissitze können auch in ländlichen Regionen innerhalb kurzer Zeit besetzt werden.

page2image22784 page2image22944

 

Am Donnertag 14.3.2013 veranstaltet der Loccumer Kreis eine Vortragsveranstaltung:

„DIe Schuldfrage in der Psychotherapie“
Befreiung als Fremdbeschuldigung und Selbstmitleid

Univ.-Doz. Dr. med. Dr. scient. Raphael M. Bonelli, Forschungsgruppe Neuropsychiatrie,

Sigmund Freud PrivatUniversität Wien

Die Veranstaltungen des Loccumer Kreises finden im Gemeindehaus der St.-Willehadi-Kirchengemeinde, Am Kirchenplatz 3, Osterholz-Scharmbeck, statt.  Sie beginnen um 20.15 Uhr und enden gegen 22.00 Uhr. Nach den Vorträgen ist Gelegenheit zur Aussprache. 

Seit der Entstehung von Psychologie und Psychotherapie als Wissenschaft gibt

es ihr gegenüber Berührungsängste seitens der Theologie. Erst in jüngster Zeit

zeigen sich Tendenzen, aufeinander zuzugehen, Gemeinsamkeiten zu suchen

und auch nutzbar zu machen. Einer der Wegbereiter dazu ist unser Referent, der

weltweit als Psychiater und Neurologe agiert. Sein Thema bei uns berührt eine

Nahtstelle von Religion und Medizin bzw. Psychologie, nämlich wie wir – im

Kleinen wie im Großen – mit Schuld und Versagen umgehen können.

Vorankündigung in der Zeitung: 

 

BDP-Pressemitteilung

vom 21.12.2012 (at)

 

 

Quelle: Berufsverband Deutscher

Psychologinnen
und Psychologen
Am Köllnischen Park 2 10179 Berlin

Telefon +4930-209166-620 Telefax +4930-209166-680

E-Mail presse@bdp-verband.de

page1image4800

Der Berufsverband Deutscher Psychologinnen und Psychologen kritisiert die gerade verabschiedete Bedarfsplanungsrichtlinie des Gemeinsamen Bundesausschusses (G-BA). „Mit dieser Regelung werden psychisch Kranke allein gelassen“, bringt BDP-Vizepräsident Heinrich Bertram die Konsequenzen auf den Punkt und fordert das Bundesgesundheitsministerium auf, dagegen Einspruch anzumelden. „Es kann nicht sein, dass von der Kassenärztlichen Vereinigungen im Oktober mehr Psychotherapeutensitze versprochen wird, andererseits nun aber 6000 Sitze wegfallen sollen. Ich fordere die Politik auf, hier einzugreifen.“

Der BDP kritisiert seit langem, dass die Bedarfsplanungsrichtlinie auf alten Zahlen von 1999 und nicht auf den tatsächlichen Behandlerzahlen beruht. Selbst der Status Quo 2012 ist nicht ausreichend. Die Auswirkung spüren vor allem die Patienten. Heute wartet ein Patient in einer ländlichen Region durchschnittlich bereits 14,5 Wochen auf ein erstes Gespräch mit einem niedergelassenen Psychotherapeuten. Die Zahl in Ballungsgebieten beträgt 12,5 Wochen und würde mit der neuen Richtlinie wohl dieselbe wie auf dem Lande werden.

Aufgrund der erwiesenen Wirksamkeit von Psychotherapie und der großen Bedeutung psychischer Erkrankungen – ökonomisch und für die Lebensqualität – ist eine Verbesserung der Versorgungsplanung dringend notwendig.

Der BDP-Bericht 2012 „Die großen Volkskrankheiten“ steht kostenlos zum Download zur Verfügung:

http://www.bdp-verband.de/aktuell/2012/bericht/ 

Quelle: Presse-Information Nr. 50 /21.11.2012 der DGPPN

Burn-out: genau diagnostizieren

Das Thema Burn-out beschäftigt viele. Jüngst wurde bei einer Untersuchung des RKI festgestellt, dass Menschen, die häufig Stress erleben, deutlich mehr über psychische Beschwerden wie depressive Symptome, gestörten Schlaf oder Erschöpfung berichten.

In der Gruppe der 40-60-Jährigen litten zwischen 5-8 Prozent im Laufe ihres Lebens an einem Burnout-Zustand. Interessanterweise sind die Betroffenen im Gegensatz zu der verbreiteten psychischen Störung Depression vor allem Menschen mit hohem Sozialstatus.

„Burnout ist für sich genommen keine Krankheit aber ein Risikozustand für die psychische und physische Gesundheit und muss deshalb sehr ernst genommen und untersucht werden.“ so Professor Wolfgang Maier der zukünftige Präsident der Deutschen Gesellschaft für Psychiatrie, Psychotherapie und Nervenheilkunde (DGPPN).“

Länger anhaltende Erschöpfungszustände erhöhen jedoch das Risiko, an einer Depression, Angst- oder Suchtstörung, Tinnitus oder Bluthochdruck zu erkranken. Burnout-ähnliche Beschwerden wie verminderte Leistungsfähigkeit können aber auch andere Erkrankungen verdecken. Krankheitssymptome gilt es daher diagnostisch genau abzuklären, um rasch die richtige Therapie und Behandlung der Grunderkrankung zu gewährleisten. So kann Chronifizierung vorgebeugt und den Betroffenen zeitnah die Rückkehr an den Arbeitsplatz ermöglicht werden.“

Nach Ansicht der DGPPN handelt es sich beim Burn-out primär um ein Problem der Arbeitswelt. Die Beratung und Unterstützung der Betroffenen sollte deshalb beim Arbeitgeber entsprechend koordiniert werden. Dies kann die Diagnostik bei einem Facharzt einschließen. Aus Sicht der Fachgesellschaft ist es jedoch zu kurzsichtig, einen stressbelasteten Arbeitnehmer in der Arztpraxis so zu „behandeln“, das widrige Arbeitsbedingungen eine weitere Zeit zu ertragen werden ohne die Ursachen zu beseitigen. Eine Schlüsselrolle kommt dabei den Betriebsärzten mit ihrer Kenntnis der Arbeitsstrukturen und Betriebsabläufe zu.

Mehr Informationen im Positionspapier „Burnout“ auf der Webseite der DGPPN: http://www.dgppn.de

Berufsverband Deutscher Psychologinnen und Psychologen
Pressemitteilung Nr. 15/12
8. November 2012

Budgetdeckel auf, Psychotherapie raus?!

BDP fordert, die Aufbruchsstimmung für eine gerechte Neuregelung zu nutzen

Grundsätzlich begrüßt der Berufsverband Deutscher Psychologinnen und Psychologen (BDP) die am 22. Oktober 2012 getroffene Vereinbarung, die Psychotherapie aus den gedeckelten Budgettöpfen der Fachärzte herauszunehmen. „Diese Regelung ist ein erster wichtiger Schritt, um die psychotherapeutische Versorgung zu verbessern“, ordnet BDP-Vizepräsident Heinrich Bertram diesen Eckpunkt der Honorarverhandlungen ein. „Jedoch ändert die prozentuale Erhöhung der Honorare nichts daran, dass die Psychotherapeuten weiterhin im Vergleich zu den Ärzten zu den Geringverdienern gehören.“

Im Durchschnitt erzielte ein Kassenarzt 2011 einen monatlichen Gewinn von 5442 Euro, ein Psychotherapeut dagegen nur 2657,83 Euro. Rechnet man diese Zahlen auf einen Stundenlohn mit allen Abzügen – wie ihn auch Angestellte haben – herunter, ergibt sich ein Unterschied von 23,26 zu 12,57 Euro.

Die Sektion Verband Psychologischer Psychotherapeuten (VPP) im BDP fordert nicht nur die finanzielle Gleichstellung von psychotherapeutischer und somatisch-ärztlicher Versorgung, sondern auch eine verbesserte Versorgungslage. „Es ist ein Unding, dass einerseits von einer angeblichen Überversorgung gesprochen wird, jedoch Patienten im Durchschnitt bis zu sechs Monate auf den Behandlungsbeginn warten müssen“, mahnt die VPP-Vorsitzende Eva Schweitzer-Köhn an. „Es gilt nun, im Gemeinsamen Bundesausschuss auf Grundlage der Zahlen aus der Versorgung eine realistische Bedarfsplanung bis 2013 festzulegen.“ Bislang werden die Anzahl der Psychotherapeuten und die damit verbundenen Therapieplätze nach veralteten Planungszahlen von 1999 errechnet.

Aufgrund der langen Wartezeiten steht deshalb auch eine weiterentwickelte Bedarfsplanung auf der Forderungsliste des VPP. Die Zahl der zusätzlich Ende Oktober in den Honorarverhandlungen beschlossenen 1150 neuen Therapeutensitze steht dabei im Widerspruch zu diesen Forderungen.

Ziel muss sein, eine ambulante psychotherapeutische Versorgung auf dem heutigen wissenschaftlichen Niveau flächendeckend und wohnortnah anzubieten.

Im diesjährigen BDP-Bericht „Die großen Volkskrankheiten – Beiträge der Psychologie zu Prävention, Gesundheitsförderung und Behandlung“ zeigt der Verband eindeutig auf, dass durch eine stärkere Einbindung der Psychotherapeuten in die Behandlung auch von somatischen Krankheiten ein großes Einsparpotenzial vorhanden sei.
Mit seinen Forderungen weist der VPP auf die im Gesprächskreis II verabschiedete Resolution hin, die er auch mitträgt. In diesem Gesprächskreis II werden die Interessen der Psychotherapeutenverbände und -vereinigungen koordiniert.

 

Berlin, 8. November 2012. Erneut rufen die Psychotherapeut/-innen in Ausbildung (PiA) bundesweit zum Protest auf. Am 14. November 2012 gehen sie gemeinsam mit ihren sich solidarisch erklärenden approbierten Kolleginnen und Kollegen in Berlin, Münster, Hannover, Hamburg, Bremen, Köln, Frankfurt, Mainz, Heidelberg und München auf die Straße, um zum wiederholten Male auf die unhaltbaren Zustände in ihrer Ausbildung aufmerksam zu machen. Zwei zentrale Forderungen stehen dabei im Fokus: Die mangelhafte Bezahlung ihrer Arbeit und die Unklarheit darüber, welcher Abschluss seit der Umstellung von Diplom auf Bachelor-/Master-Studiengänge zur psychotherapeutischen Ausbildung befähigt.

Völlig unfassbar ist, dass PiAs während der vorgeschriebenen „Praktischen Tätigkeit“ in psychiatrischen Kliniken meist keine oder eine sehr geringe Vergütung für ihre Leistungen erhalten. Dabei handelt es sich um voll ausgebildete Akademiker/innen (Dipl. Psychologen, Dipl. Sozialpädagogen bzw. Dipl. Pädagogen) mit einem erfolgreich abgeschlossenen Studium, die wichtige Leistungen direkt am Patienten erbringen. „Wir PiA machen das Spiel nicht mehr mit. Wir haben die Nase voll“, beschreibt Dipl.-Psych. Katharina Röpcke die Stimmung bei den zukünftigen Psychotherapeuten.

Die Forderung des Psychotherapeutennachwuchses richtet sich an die Politik. Diese soll klare gesetzliche Regelungen schaffen, damit endlich eine angemessene Vergütung entsprechend der beruflichen Qualifikation festgeschrieben wird. Trotz des fehlenden Einkommens muss die Ausbildung zum Psychotherapeuten an Instituten privat finanziert werden. Sie dauert zwischen drei und fünf Jahren. Dies ist eine finanzielle Belastung von bis zu 600 Euro pro Monat, die insbesondere in den 1,5 Jahren praktischer Ausbildung nur mit Hilfe fremder Unterstützung getragen werden kann: „Diese Selektion muss abgeschafft werden; einen sozialen Numerus Clausus darf es für diese Ausbildung nicht mehr geben!“, unterstreicht Röpcke.

Es ist völlig unverständlich, dass der Gesetzgeber nach 13 Jahren unbezahlter Ausbildung immer noch keine akzeptablen Regelungen geschaffen hat“, kritisieren auch die Verbände

Unterstützt werden die Aktionen von 13 psychotherapeutischen Verbänden und der Dienstleistungsgewerkschaft ver.di. Alle Beteiligten fordern eine umgehende Novellierung des Psychotherapeutengesetzes (PsychThG), das seit 1999 die Grundlage der Ausbildung ist und endlich einen klaren gesetzlichen Anspruch auf eine angemessene Vergütung.

Gefordert wird auch, den Zugang zur Psychotherapeutenausbildung auf das Masterniveau festzuschreiben. Die derzeitigen Unklarheiten, welcher Abschluss seit der Umstellung auf einen Bachelor- bzw. Master- studiengang zum Zugang berechtigt, seien unhaltbar und müssten umgehend beseitigt werden. „Wir Psychotherapeuten üben einen akademischen Heilberuf aus. Hierzu ist die wissenschaftliche Fundierung auf Masterniveau vor Aufnahme einer Ausbildung zum Psychotherapeuten unabdingbar“, sind sich die PiA gemeinsam mit der Gewerkschaft ver.di und den Vertretern der Berufsverbände einig.

Gemeinsam rufen alle beteiligten Verbände für den 14. November in Berlin in der Zeit von 13.00 bis 15.00 Uhr zu einer Demonstration auf. Der Weg führt vom Berliner Abgeordnetenhaus zum Bundes- gesundheitsministerium in der Friedrichstraße 108, wo Minister Daniel Bahr rund 9000 Protest-Unterschriften überreicht werden sollen. Zeitgleich finden Demonstrationen in acht weiteren Städten statt.

Kontaktdaten:

Katharina Röpcke: PiA für gerechte Bedingungen! 0176-24247025 Ariadne Sartorius, bvvp: 0151 – 24063766
Kerstin Sude, DPtV: 0151 – 11 65 13 69
Jean Rossihol, VPP: 0176 622003178

Meike Jäger, ver.di: 0170 – 7948197
Robin Siegel, Demonstrationen in Nordrhein-Westfalen: 0176 – 64805787

http://www.pia-im-streik.de/index.php https://www.facebook.com/pages/PiA-PsychotherapeutInnen-in-Ausbildung/165439213521036 http://de.groups.yahoo.com/group/PiA-Netz-Berlin
http://www.psychotherapeutenwiki.de
http://www.psychotherapie-petition.de

http:/www.piaportal.de http://www.pt-ausbildungscheck.de http://www.pia-vpp.de http://www.bvvp.de http://www.dptv.de

Verband Psychologischer Psychotherapeutinnen
und Psychotherapeuten im BDP e.V.

 

Presseerklärung der Psychotherapeutenkammer Niedersachsen vom 02.10.2012

Es gibt zu wenige Behandler und Behandlungsmöglichkeiten im Bereich der psychothe rapeutischen Versorgung in Niedersachsen. Dieser Mangel gilt insbesondere in den ländlichen Gebieten des Flächenlandes.

Die Psychotherapeutenkammer Niedersachsen (PKN) fordert deutlich mehr Angebote zur Psychotherapie und eine sofortige Änderung der Bedarfsplanung.

Die PKN vertritt die Interessen von 3708 Mitgliedern. Davon sind 1511 im Rahmen der GKV in Niedersachsen niedergelassen. In der PKN sind alle approbierten Psychologi- schen Psychotherapeuten und Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeuten sowie Aus- bildungsteilnehmer ab dem Beginn von Patientenbehandlungen unter Supervision als Pflichtmitglieder organisiert. Diese sollen eine zeitnahe flächendeckende psychothera- peutische Versorgung für die Bewohner Niedersachsens gewährleisten.

Eine repräsentative Erhebung der Bundespsychotherapeutenkammer (BPtK) im Jahr 2011 hat deutlich gemacht, dass es lange Wartezeiten auf einen Psychotherapieplatz gibt.

Die Spreizung der Versorgung zwischen Stadt und Land ist fachlich nicht zu rechtferti- gen. Die Versorgung mit Psychotherapie muss wohnortnah sein.

Versorgt ein Psychotherapeut in einer Großstadt ca 6500 Einwohner, ist er auf dem Land für ca 23.000 Einwohner zuständig. Psychische Erkrankungen treffen aber die ländliche Bevölkerung ähnlich wie die Stadtbewohner.

Wir brauchen im Interesse der psychisch Kranken eine neue Bedarfsplanung mit ange- messenen Verhältniszahlen für Stadt und Land, so wie es das neue Versorgungsstruk-

turgesetz vorsieht. Dann entstehen in den ländlichen Gebieten zusätzliche psychotherapeutische Kassensitze und die unzumutbaren Wartezeiten können sich ver- kürzen. Eine Zahl von 20 – 30 Psychotherapeuten pro 100.000 Einwohner würde die flä- chendeckende Versorgung erheblich verbessern. Insbesondere ist die psychotherapeutische Versorgung von Kindern und Jugendlichen in Niedersachsen zu verbessern. 2009 hat der Gesetzgeber eine Versorgung von 20 % mit Sitzen aus dem Bereich der Kinder- und Jugendlichenpsychotherapie zugesagt, die bis 2012 noch nicht umgesetzt wurde.

Auch die Honorare der Psychotherapeuten müssen angepasst werden:

Die Vertragsverhandlungen zwischen dem Spitzenverband der Krankenkassen und der Kassenärztlichen Bundesvereinigung in Berlin über das Honorar für ärztliche Leistungen sind ins Stocken geraten. Der Inflationsausgleich für Ärzte und Psychotherapeuten wird von den Krankenkassen verweigert. Die ärztlichen und psychotherapeutischen Berufs- verbände planen Protestmaßnahmen.

Auch die Psychotherapeuten haben seit vier Jahren keinen zusätzlichen Cent erhalten und befinden sich am Ende der Einkommensskala der Haus- und Fachärzte. Deshalb ist eine Neuregelung der Vergütung der psychotherapeutischen Leistungen durch die Kran- kenkassen notwendig, ohne dass es anderen Arztgruppen schadet.

Der Vorstand der PKN fordert die Gesundheitspolitiker auf, dafür zu sorgen, dass die Vorgaben des Versorgungsstrukturgesetztes zur Verbesserung der Bedarfsplanung zügig umgesetzt werden, die Honorierung der psychotherapeutischen Leistungen extrabudge- tär erfolgt und darüber hinaus die finanziellen Mittel für eine bessere Versorgung der psychisch Kranken in Niedersachsen von den Krankenkassen zur Verfügung gestellt werden.

Hannover, den 02. Oktober 2012 Vorstand der PKN

Die stiftung Warentest hat die Ergebnisse einer großen Umfrage über den Nutzen von Psychologischer Behandlung und Psychotherapie veröffentlicht.
Fazit: Psychotherapie kann helfen!
Link zur Website von stiftung Warentest: http://www.test.de/themen/gesundheit-kosmetik/test/Psychotherapie-Welche-Therapie-hilft-4294275-4294303

Berufsverband Deutscher Psychologinnen und Psychologen
Pressemitteilung Nr. 26/11
20. November 2011

PiA wollen nicht länger vertröstet werden

Psychotherapeuten in Ausbildung kündigen erstmals Streiks in Deutschland an

Zum ersten Mal haben jetzt Psychologische Psychotherapeuten in Ausbildung (PiA) Streiks in Deutschland angekündigt. Die ersten Aktionen sind für Berlin, Frankfurt/Main und Hannover geplant. Es ist ein Aufschrei einer ganzen Generation künftiger Psychotherapeuten, die seit Jahren mit schwer erträglichen Ausbildungs- und Arbeitsbedingungen leben müssen. Diplom-Psychologen, die diese Ausbildung absolvieren, zahlen dafür zwischen 30.000 und 50.000 Euro; sie leisten zudem eine Praktische Tätigkeit in einer Klinik, die in der Regel nicht bezahlt wird. Was als Ausbildung am Patienten konzipiert war, ist in der Praxis oft die Ausbeutung von Diplom-Psychologen ohne Bezahlung durch Kliniken, oft bleiben fachliche Betreuung und Supervision auf der Strecke.
„Die PiA verdienen in dieser Situation unsere Solidarität“, so Eva Schweitzer-Köhn, Vorsitzende des VPP im Berufsverband Deutscher Psychologinnen und Psychologen (BDP). Möge es ihnen gelingen, diese andauernde Misere durch ihre Aktionen einer breiten Öffentlichkeit bewusst zu machen und dem Gesetzgeber so wie allen anderen Beteiligten zu signalisieren, dass das Maß voll ist und die Betroffenen sich nicht länger vertrösten lassen wollen. Wir sind an ihrer Seite, wenn es darum geht die Fehlkonstruktion im Psychotherapeutengesetz durch eine Lösung zu ersetzen, die ihre Qualifikation aus Psychologin/Psychologe anerkennt und ihnen eine angemessene Bezahlung für praktisch geleistete qualifizierte und sehr verantwortungsvolle Arbeit garantiert.
Die Delegiertenkonferenz des Verbandes, die am 19. und 20. November in Fulda tagte, hat sich einmütig hinter die Forderungen der PiA gestellt, die im Übrigen auch von der zuständigen Fachkommission bei ver.di mitgetragen werden. „Das Thema geht uns alle an“, so BDP-Vizepräsident Bertram: „Psychologen und Psychotherapeuten in unserem Verband“. Wenn Kliniken PiA missbrauchen, um Stellen von Diplom-Psychologen streichen zu können, wenn hochqualifizierte Arbeitskräfte für Null verantwortungsvolle Tätigkeit leisten müssen, dann betrifft das beide Berufsgruppen, deren Interessen der BDP vertritt, und es betrifft die psychologische und psychotherapeutische Versorgung der Bevölkerung in den kommenden Jahren.“ Der jüngste Protesttag der PiA in Berlin und die aktuellen Ankündigungen machten deutlich, dass es nicht einzelne Funktionäre aus Verbänden und Kammern sind, die sich mit dem PiA-Thema profilieren wollen, sondern dass die Betroffenen von Vertröstungen auf künftige mögliche Novellierungen der Ausbildungs- und Prüfungsverordnung endgültig genug haben. „Die Zeit der ‚Proteste auf dem Dienstweg‘ scheint endgültig vorbei zu sein.“ Dass PiA mit eventuellen Streiks auch riskieren, ihren Arbeitsplatz zu verlieren, zeige nur das Ausmaß der Demütigung und Verzweiflung bei vielen.

Berufsverband Deutscher Psychologinnen und Psychologen
Christa Schaffmann, Pressesprecherin
Am Köllnischen Park 2, 10179 Berlin
Tel. 030 – 209 166 620
c.schaffmann@bdp-verband.de

Berufsverband Deutscher Psychologinnen und Psychologen
Pressemitteilung Nr. 25/11
20. November 2011

Prävention und Behandlung psychischer Erkrankungen müssen verbessert werden

BDP beklagt Ignoranz wissenschaftlicher Erkenntnisse und Veränderungen in der psychosozialen Belastung der Bevölkerung

Die Zunahme an diagnostizierten psychischen Erkrankungen, daraus resultierenden Arbeitsausfallzeiten und vorzeitigen Verrentungen haben den Berufsverband Deutscher Psychologinnen und Psychologen veranlasst, von allen Institutionen der öffentlichen und privaten Gesundheitsversorgung größere Anstrengungen zu deren Bekämpfung und Prävention zu fordern. Auf der Delegiertenkonferenz des Verbandes in Fulda am 19. / 20. November 2011 wurde einstimmig einem Antrag zugestimmt, der energisch für ein ausreichendes Angebot psychologischer wie psychotherapeutischer Hilfen eintritt, um den seelischen Volkskrankheiten angemessen begegnen zu können. Einmal mehr erweist sich der BDP damit als kundiger und engagierter Player auf dem Feld der Gesundheitspolitik.
Je später der Gesetzgeber, Krankenkassen, die Kassenärztliche Bundesvereinigung aber auch öffentlich-rechtliche und private Arbeitgeber den Handlungsbedarf an Prävention und Therapie auf diesem Gebiet erkennen, je höher werden letztlich die Kosten für die Gesellschaft und je größer das Leid sein, das psychische Erkrankungen für die Betroffenen verursachen, so BDP-Vizepräsident Heinrich Bertram. Das lasse sich nicht verhindern durch anachronistische Bedarfsermittlung, wie sie gerade wieder im Zusammenhang mit dem Versorgungsstrukturgesetz festgeschrieben werde. Vielmehr gelte es, sich an Beispielen zu orientieren, sie einige große Unternehmen, darunter die Firma Thyssen mit ihrem Gesundheitsmanagement geschaffen haben, um psychischer Überbelastung am Arbeitsplatz rechtzeitig vorzubeugen. Deutschland brauche auch keine Herdprämie für Familien, die für ihre Kinder keinen Kindergartenplatz wollen, sondern Unterstützung für jene Familien, die durch Krankheit, Sucht und Arbeitslosigkeit dringend auf niedrigschwellige Beratungs- und Versorgungsangebote angewiesen seien.
Der BDP sieht sowohl in der Gesundheitsvorsorge als auch auf dem Gebiet der psychotherapeutischen Versorgung erhebliche Defizite. Er fordert deshalb eine am tatsächlichen Bedarf ausgerichtete Planung sowohl der stationären als auch der ambulanten psychotherapeutischen Versorgung. Wartezeiten von bis zu sechs Monaten auf einen Therapieplatz müssten nicht nur im Interesse der Patienten, sondern auch wegen der Gefahr einer Chronifizierung und der daraus resultierenden gesamtgesellschaftlich anfallenden Kosten (z.B. Arbeitsausfall und vorzeitige Verrentung) dringend abgebaut werden. So wie auf anderen Feldern z.B. in der Medizin dafür gesorgt werde, neue Erkenntnisse zum Wohle der Patienten rasch in die Praxis zu überführen, müssten auch in der psychotherapeutischen Versorgung wissenschaftlich anerkannte Psychotherapieverfahren zügig in die Versorgung aufgenommen werden. „Jeder Kranke hat ein Recht auf alle Methoden, die nachweislich zu seiner Gesundung beitragen können“, betont Eva Schweitzer-Köhn, Vorsitzende des Verbandes Psychologischer Psychotherapeuten im BDP
Das Wissen um seelische Erkrankungen, ihre Vorbeugung und Behandlung, ist auf Seiten der Entscheider aus Sicht des BDP noch nicht angekommen oder wird ignoriert. Würden diese Erkrankungen überhaupt akzeptiert, so seien noch zu oft Medikamente das Mittel der Wahl. „Psychologen und Psychotherapeuten haben aus ihrer täglichen Arbeit Erfahrung mit psychischen Störungen; wir haben die Einsicht in die Notwendigkeit der Intervention und die Expertise, um der Öffentlichkeit und den Institutionen dazu erforderliche Schritte aufzuzeigen.“

Berufsverband Deutscher Psychologinnen und Psychologen
Christa Schaffmann, Pressesprecherin
Am Köllnischen Park 2, 10179 Berlin
Tel. 030 – 209 166 620
c.schaffmann@bdp-verband.de

Interessenten an einem Hintergrundgespräch zu dieser Thematik melden sich bitte telefonisch oder per E-Mail in der Bundesgeschäftsstelle des BDP.